von Sonja Mannhardt | Feb. 16, 2016 | Blog, Unkategorisiert
Sie sagen, was wir essen sollen, was gut und gesund für uns ist. Sie glauben zu wissen, was uns gut tut. Sie machen uns in 8 Wochen sexy. Sie versprechen uns schnelle Schlankheit. Sie haben das richtige und ultimativ beste Pülverchen für uns und natürlich hat die Welt nur auf sie gewartet…diejenigen, die ein Mittel gegen „ausgelaugte Böden“ und Nährstoffdefizite haben und natürlich gegen Burnout und Übergewicht. Und es werden immer mehr.
Sie sind überall und predigen Heil. Sie nennen sich „Gesundheitscoach“, „Personal Trainer“ , „Gesundheitsberater“, „Ernährungsberater“ – und was sie gewiss haben: Sie leiden alle an gnadenloser Selbstüberschätzung. Es finden sich Webinare im Netz von Gesundheitsaposteln ohne jegliche Qualifikation!
Zwar wissen sie nichts von Diabetes, doch sie beraten Menschen mit dieser Krankheit. Sie sind davon überzeugt, dass „Dicke nur nicht wissen, was gesunde Ernährung ist“ und möchten ihnen gerne bei den Wissensdefiziten helfen. Sie scheuen sich nicht, Menschen zu beraten, die gastrointestinale Beschwerden haben, denn es liegt gewiss an Laktose, Fruchtzucker oder dem bösen Histamin. Und – Sie haben alle
Ich frage mich langsam, ob diese Leute tatsächlich Klienten bekommen und all diesen Humbug glauben, der da verzapft wird oder ob diese Leute glauben, dass man für die Beratung von Menschen keinerlei Qualifikation benötigt und man an Gesundheit ja nichts kaputt machen kann? Ich frage mich langsam ernsthaft, ob diese Leute der Meinung sind, man könne mit Gesundheitsberatung viel Geld verdienen – oder geht es nur um den Absatz von Produkten?
Fakt ist folgendes: Kürzlich war eine Frau bei mir. Vollkommen vermurkst von Gesundheitscoachs und Co. Hätte sie mich nicht zufällig im Internet gefunden, sie wäre heute tot, denn sie hatte keine Allerwelts-Unverträglichkeit, sondern Darmkrebs! Und was ist mit all den Patienten, die bei mir waren, weil irgendjemand ihnen die schnelle Lösung ihrer Gewichtsprobleme versprochen hat? Sie kamen mit noch mehr Übergewicht aber noch weniger Selbstwertgefühl zu mir und obendrei mit wenig Geld, denn diese Leute ließen sich alle von nicht qualifzierten Gesundheitsapostels, die nichts weiter waren als Produktverkäufer, abzocken.
An dieser Stelle mal drei Fragen:
Würden Sie einen selbsternannten Frisör erst nehmen, nur weil er mit einer Schere Haare abschneiden kann?
Würden Sie ihr Auto zu einer Werkstatt bringen, in der es nicht darum geht, den Wagen genau zu untersuchen und eine genaue Diagnose zu stellen, bevor Hand angelegt wird, sondern gleich drauflos geschraubt wird?
Und – wie viel Einzelverhaltensmuster gibt es Ihrer Meinung nach beim Essen? 100? 300? 500? Und wie viele Jahre wurden diese eintrainiert, perfektioniert und zur Gewohnheit gemacht? 30 Jahre täglich mehrmals oder noch länger?
Hatte der Verhaltensforscher Konrad Lorenz Unrecht, wenn er sagte:
Gedacht heißt nicht immer gesagt,/ gesagt heißt nicht immer richtig gehört,/ gehört heißt nicht immer richtig verstanden,/ verstanden heißt nicht immer einverstanden,/ einverstanden heißt nicht immer angewendet,/ angewendet heißt noch lange nicht beibehalten.
Wenn dieser Satz neuerdings nur noch für Kommunikation benutzt wird, wieviel schwieriger ist es dann, wenn es um menschliches Verhalten geht…
Aber die neuen Gesundheitsapostel, sie setzten sich über all das hinweg. Nicht nur, weil sie mit ihrer Bauernfängerei die Sehnsucht der Menschen stillen, es müsse alles schnell und mühelos gehen – nein, was diese selbsternannten Gesundheitsapostel auch noch schaffen, ist: sie schaden auch dem Image von seriösen Anbietern im Gesundheitswesen.
Hier ein Beispiel aus meiner Branche: Professionelle Ernährungsfachkräfte, die von den Krankenkassen anerkannt sind, haben ein sogenanntes „Präventions-Zertifkat“, was sie als Experten ausweist, die eine fundierte medizinisch-wissenschaftlich-pädagogische Ausbildung haben. Sie haben nicht nur 3-6 Jahre studiert, sondern sind gezwungen, dieses Zertifikat alle 2 Jahre durch den Nachweis von Fortbildungen zu ernuern. Es ist ihnen verboten, Produkte zu verkaufen.
Dabei ist es doch gar nicht schwer, Scharlatane von Profis zu unterscheiden. Sitellen Sie einfach nur folgende Frage: „Sind Ihre Leistungen von den Krankenkassen anerkannt und darf ich Ihr Zertifikat sehen?“
Entscheiden Sie mit Sinn und Verstand, wem Sie sich und Ihre Gesundheit anvertrauen.
Wer zugelassen ist, Präventionsleistungen anzubieten, darüber finden Sie hier mehr:
https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/presse/publikationen/Leitfaden_Praevention-2014_barrierefrei.pdf
von Sonja Mannhardt | Jan. 10, 2016 | Blog, Unkategorisiert
Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass das noch neue und jungfräuliche Jahr Sie vor Trugbildern und Irrtümern bewahren möge, dass es ein wirklich gesunden und gelingendes, im wahrsten Sinne des Wortes gutes und gesegnetes mögen werde.
Warum spreche ich gleich zu Beginn dieses Blogs von Trugbildern und Irrtümern? So sicher wie das Amen in der Kirche und gute Neujahrswünsche, so wird der Beginn eines jeden neuen Jahres auch zum Anlass genommen, sich Vorsätzte zu machen und sich zu schwören, diese gewiss und ganz bestimmt dieses Jahr dauerhaft zu realisieren, als im vergangenen Jahr. „Ich will gesünder essen.“ „Ich werde mehr Sport treiben, mich mehr bewegen.“ „Dieses Jahr nehme ich ab.“ Das sind die Spitzenreiter auf der Hitliste der guten Vorsätze. Die Discounter locken mit Fitnessgeräten für zu Hause, Trainingsmatten für den heimischen Fußboden oder den Fitnesskurs im Studio gehen weg wie warme Aufbacksemmeln; Zeitschriften kurbeln ihren Absatz nach den Festtagen mit Diäten und Schlank im Schlaf Parolen an und in Apotheken finden Schlankpülverchen und Co. dankbare Käufer. Alle Jahre wieder dasselbe Lied und doch oder gerade deshalb ändert sich nichts. Hartnäckig halten sich Irrtümer und wir haben die Ewige Wiederkunft des Gleichen (Nietzsche) . Zeitgleich erschien dieses Jahr der Gesundheitsberichts des Bundes und zeigt noch ganz andere Facetten des Gesundheitswahns und des Gesundheitsdesasters: Auf der einen Seite wird verlautbart, dass rund 3/4 aller Erwachsenen Ihren Gesundheitszustand als gut bis sehr gut ansehen, auf der anderen Seite lesen wir, dass die Empfehlung der WHO sich zumindest 1 Stunde täglich zu bewegen noch immer ein Wunsch ist und dass 40% der Deutschen nur noch mehrmals wöchentlich selbst den Kochlöffel schwingen, sprich den zentralen Lebensbereich „Essen“ mehr und mehr in fremde Hände abgeben und die Wertigkeit dieser zentralen Aufgabe des Lebens abnimmt. Menschen „fühlen“ sich nicht krank und setzen andere Prioritäten, als etwas „für ihre Gesundheit“ zu tun…
So verwundert es nicht, dass Vorsätze bloße Lippenbekenntnisse bleiben und noch ehe der Januar zu Ende gegangen ist, sind sie wieder Schnee von gestern und Mensch zum Gewohnten übergegangen.
Und mal Hand auf´s Herz. Es geht nicht nur anderen so, sondern auch uns selbst. Wir handeln erst, wenn der Dachstuhl brennt.
In meiner Praxis sitzt ein Manager, der einen Schuss vor den Bug bekam. Diagnose Herzinfarkt. Jetzt will er endlich abnehmen und mehr Sport treiben. Das hat er sich seit Jahren in den stressigen Jobs immer vorgenommen, hat auch jedes Jahr angefangen, aber nichts durchgehalten. Dieses Mal will er es anders machen und wünscht Unterstützung.
Da ist die weibliche Führungskraft, die mir schreibt, dass sie die letztjährigen Vorsätze immer wieder erfolgreich zu den Akten legte und jetzt endlich professionelle Unterstützung nehmen möchte um weiter zu kommen, um mit dem Selbstbetrug endlich aufzuhören, alles alleine schaffen zu können und alles ja ach so einfach ist und alleine lösbar (man ist ja nicht dumm).
Mich hat meine Gesundheit gegen Ende des Jahres auch im Stich gelassen. Plötzlich hatte ich Taubheitsgefühle in Arm und Bein, kribbeln im Rücken. Ja, ich wusste, ich hatte mich im Advent körperlich überanstrengt (diverse Weihnachtsmärkte, ein- und ausladen, Waren schleppen etc.) und fürchtete Schlimmeres. Auch ein befreundeter Physiotherapeut riet mir zum Arzt zu gehen. Es könnten schon die Bandscheiben sein und wir beide haben auch etwas neurologisches nicht ausgeschlossen, wir sind ja vom Fach. Doch es waren weder die Bandscheiben, noch ein Vorbote eines Schlaganfalls. Es war rein muskulär! Von Null-Bewegung auf Vollgas (man sitzt in meinem Beruf schon ziemlich viel und für Sport ist ja so gut wie keine Zeit mehr), haben meine Rückenmuskeln nicht verkraftet und mir Taubheit in Arm und Bein beschert. Schöne Bescherung so kurz vor Weihnachten.
Doch jetzt kommt es, worum es mir im heutigen Blog geht.
Natürlich ging ich zur Physiotherapeutin und ich war bass erstaunt. Einfachste Übungen, winzige Bewegungen ohne Hanteln, ohne Hilfsmittel haben mich unglaublich angestrengt. Wer mir zugeschaut hätte, hätte keinen Sport gesehen und keine hektischen Bewegungen, er hätte volle Konzentration gesehen, kleine Bewegungsmuster, die aber hoch effektiv sind, weil sie das Muskelproblem an der Wurzel anpacken. Und er hätte noch etwas gesehen. Ohne Physiotherapeutin hätte ich mich um meine eigene Schmerzgrenze herumgemogelt, hätte die Bewegungen anders gemacht, wäre ausgewichen. Es hätte „leichter“ ausgesehen.
Und das bemerkte ich zu Hause auch. Bei der Physiotherapeutin waren die Übungen unglaublich anstrengend, es tat weh, zu hause war ich beim alleine machen weniger gefordert und erschöpft. Es fiel mir Schwerer meine eigenen Grenzen zu überwinden, als mit der Physiotherapeutin und noch etwas fiel mir auf.
„Du musst jede kleine Übung konzentriert vorbereiten“ sagte meine Physiotherapeutin zu mir. Der Unterschied war deutlich spürbar. Habe ich die kleinste Übung nicht 100% konzentriert vorbereitet, schlichen sich sofort Fehler ein und die Übung war nicht mehr im gleichen Maße effektiv.
Weshalb also sind Vorsätzte Irrtümer?
Wir suchen nach einer großen Lösung (mehr Sport treiben) und übersehen, dass wir mit kleinsten Schritten weiterkommen.
Wir erkennen nicht den Unterschied zwischen Ziel (ich will abnehmen) und dem Weg (was muss ich dafür genau tun und unterlassen)
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und tut alles dafür, dass es so bleibt, wie es ist, denn das Gewohnte ist in höchstem Maße unbewusst sinnvoll.
Der Nutzen muss stimmen. Etwas Gewohntes zu ändern wird nur in Kauf genommen, wenn der Nutzen größer ist, als der betriebene Aufwand, weil der Mensch ein Ziel orientiertes Wesen ist und nur tut, was GUT tut. Der Haken: Am Anfang TUT es nicht gut, das heißt dass Mensch anfangs am sich schlechter fühlen (das tut aber weh; das schmeckt mir aber nicht so wie das alte, den Teller doppelt zu füllen macht aber mehr Spaß) seine Fortschritte bemerkt! Und das wird in der Regel verschwiegen.
Um das Gewohnte also tatsächlich verlassen zu können, kann es keine „einfache Lösung“ geben, denn wir würden alles dafür tun, dort aufzuhören, wo es beginnt „weh zu tun.“
Da exzessive Sportvorsätze, Diäten und Wunderpillchen .scheinbar so einfach sind, aber auf Dauer doch weh tun (keine Zeit, Einschränkung beim Essen, Geld-Nutzenaufwand gering), verlässt Mensche seine guten Vorsätze schnell.
Gerade in den zentralen Lebensthemen Essen und Bewegen ist es ohne professionelle Hilfe, für den Blick für´s Detail fast nicht möglich, die eigenen Begrenzungen a.) zu erkennen und b.) zu überwinden. Mensch braucht Mensch um tatsächlich die notwendigen Schritte zu tun.
Ich glaube der Mensch benötigt einen gewissen „Leidensdruck“, einen kleinen Schmerz, eine Einschränkung seines gewohnten Lebens, damit er aktiv wird, denn an der ABwesenheit dieses Leids erst, kann er erkennen, dass es sich lohnt etwas zu tun. Sprich: Wo kein Leid, da wird der Mensch nicht weitermachen, denn das Tun ist im wahrsten Sinne kaum „spürbar“ und damit sinn- und zwecklos. Er wird sich nur dann besser fühlen, wenn er sich vorher weniger gut gefühlt hat. Fühlt er sich aber schon gut und das „gesunde Essen“, „der Sport“ etc. fühlt sich nicht so gut an, dann hört er damit auf.
Und was geschieht, wenn ein kleiner Leidensdruck da ist und das Tun, die konzentrierte Handlung der kleinen Schritte gelingt? Es benötigte nur wenige Tage des hochkonzentrierten Trainings, scheinbar banalster Übungen – nichts spektakuläres und siehe da: Die Taubheit ist verschwunden, die Schmerzen auch und die Übungen fallen mir mittlerweile leichter.
Und – ganz ohne Vorsätze, ganz ohne spektakuläre Ziele und mit kleinen Schritten, sind die obigen Menschen in wenigen Sitzungen wahrscheinlich ihrem Ziel näher gekommen, als zuvor.
In diesem Sinne: Ein gesundes Neues Jahr OHNE Vorsätze, aber dem Mut, sich bei zentralen Themen „Essen und Bewegen“ professionelle Unterstützung zu holen, damit das Tun in kleinen Schritten Teil des eigenen Lebens werden kann, statt große Ziele künstlich gewaltsam auf Zeit dem eigenen Leben übergestülpt werden. Und die Disziplin gerade dann weiterzumachen, wenn es beginnt weh zu tun 🙂
von Sonja Mannhardt | Dez. 18, 2015 | Blog, Unkategorisiert

Mit einer kleinen Geschichte möchte ich mich dankbar von meinen Kunden, Klienten, Kooperationspartnern, Zuliefern, Netzwerkpartnern und Kollegen verabschieden. Ein bewegtes Jahr mit 365 Tagen voller wunderbarer Begegnungen. Genau diese Begegnungen sind es, die letztendlich in Erinnerung bleiben, die wertvoll sind, für die es sich lohnt dankbar zu sein, denn genau das macht das Leben lebenswert. Menschen, die miteinander leben, lieben, lachen und arbeiten.
Und sollten Sie noch ein kleines kulinarisches Weihnachtspräsent suchen: Wie wäre es mit einem kleinen, feinen, Markgräfler GeNÜSSchen – sprich Produkte unseres Sozialprojekts?
Ihre Sonja Mannhardt
Sinn des Lebens
Es ergab sich zur Weihnachtszeit, dass ein Tourist in das kleine mittelalterliche Bergdörfchen kam. Er stieg die ausgetretenen Treppenstufen empor, ohne konkretes Ziel, doch auf der Suche nach dem Besonderen. Besonders schick, besonders trendy, besonders abenteuerlich. Dieses Mal hat er sich für besonders archaisch entschieden, schließlich war er hier, in der Abgeschiedenheit, um sich von seinem anstrengenden Jahr zu erholen. Das hat er sich verdient! Hier ausruhen, die Einfachheit genießen, das Bodenständige, im Alten Kraft schöpfen, für das Neue, für sein kommendes Jahr, in dem es wieder darum geht, sich und andere Menschen
erfolg-REICHER zu machen. Das ist seine Aufgabe als erfolgreicher Unternehmensberater.
So steht er unvermittelt vor einem kleinen italienischen Lebensmittelgeschäft in dem es nur Marias selbstgemachten Köstlichkeiten gibt. Marmeladen und Konfitüren, Weihnachtsgebäck und Pralinen. Es duftete nach Geborgenheit, nach Weihnachten der Kinderzeit. Er schaut kurz hinein und tritt ein.
Im Laden selbst steht Maria, eigentlich aus Mailand, doch dann trifft sie eines Tages Alessandro, einen Künstler hier aus dem Ort , lässt ihr altes Leben hinter sich und zieht mit ihm in dieses herrliche Bergdorf, hoch über der Meeresbucht. Sie eröffnet in dieser wundervollen Landschaft dieses winzige Geschäft von nicht einmal 20qm Größe. In kleinen, natursteinbehauenen Nischen stehen in diesem mittelalterlichen Gemäuer sorgfältig und übersichtlich, kleine Gläser mit liebevoll selbstgemachten Küchenköstlichkeiten. Da stehen zum Genuss bereit, Kastanien Chutney, Konfitüre von wilden Aprikosen oder Feigen, Relishs und Marmeladen verschiedenster und vielfältigster Art. Da stehen liebevoll aufgereiht, in kleinen transparenten Tütchen, Nonna´s Weihnachtsplätzchen, nach alten überlieferten Rezepten, da stehen kleine Fläschchen mit Nonno´s grünem, selbstgepressten Olivenöl, da sind in handbemalten Schachteln, die die Mutter von Allessandro bastelt, in der, liebevoll gebettet, Marias in Handarbeit hergestellten Trüffel und Pralinen.
Maria kam auf diese Idee, als sie mit Alessandro auf langen, romantischen Spaziergängen, diese bezaubernde Gegend und ihre Schätze kennen- und schätzen lernte. Ihr Herz sehnte sich danach, diese Köstlichkeiten der Natur mit ihren Küchenkünsten und denen anderer Familienmitglieder zu vereinen.
Sie liebte es von Anfang an, die seltenen Früchte zu suchen und zu verarbeiten. Sie liebt den Duft der heißen und brodelnden Töpfe, sie liebt es, wenn alle stolz ihre Werke und Köstlichkeiten vorbeibringen und ein stolzes Lächeln über ihr Gesicht zieht, und sie liebt es, nach getaner Arbeit noch einmal alle Etiketten der Gläser in den Nischen gerade zu rücken, so dass sie akkurat nach vorne zeigen. Sie liebt es selbiges mit Nonnas Weihnachtplätzchen, Nonnos Olivenöl und den Pralinenschachteln zu machen.
Marias Köstlichkeiten sind mit handgeschriebenen Etiketten versehen, für jede Kreation hat sie sich ein eigenes kleines Symbol ausgedacht, welches Alessandro dann für sie umsetzt. Auch an den kleinen, farblich variierenden Leinentüchern, die sie liebevoll um die Deckel der Marmelade- und Chutneygläser und die Olivenölfläschchen gebunden hat, erkennt der Kunde die Vielfalt und die Liebe, die in die Gläser mit eingearbeitet wurde. Marias Küchenköstlichkeiten sind weiterhin verziert durch geflochtene Bänder aus Gras, welche die Kinder und sie abends beim gemeinsamen Gespräch so nebenbei flechten.
Gerade als Maria dabei ist den Laden zu schließen, kommt der Fremde auf sie zu, späht kurz hinein macht sich ein Bild von Marias Geschäft, tritt ein und fragt:
„Wie viele Stunden haben sie denn heute bereits gearbeitet, dass sie den Laden schon schließen wollen? Ich wollte noch ein paar Weihnachtspräsente einkaufen.“
Maria gewährt ihm Einlass und während er sich umschaut, entgegnet sie auf seine Frage. „Ein paar Stunden. Nicht lange. Nur heute Vormittag“
Daraufhin fragt der Unternehmensberater, warum Sie denn nicht länger im Geschäft verweile, um mehr Waren zu verkaufen. Maria sagt, dass der Ertrag reiche, um ihre Familie zu ernähren. Andere Dinge seien ihr wichtiger, fährt sie fort und packt liebevoll die vom Fremden ausgesuchten Präsente in eine Leinentasche auf die „Marias Küchenköstlichkeiten“ – Rezept aufgedruckt ist.
Der Unternehmensberater fragt: „Aber was tun Sie denn mit dem Rest des Tages?“ Maria erklärt: „Ich koche, halte das Haus in Ordnung, mache die Wäsche, mache eine Siesta mit meinem Mann, verbringe Zeit mit meinen Kindern, gehe im Dorf einkaufen, unterhalte mich mit den Leuten und erkundige mich nach ihrem Wohl, gehe in den Garten, um zu gießen, nach den Pflanzen zu schauen und ab und an ruhe ich einfach unter einem Baum im Schatten aus und genieße den Blick ins Tal, in die Bucht. Und ich koche Konfitüre, mache Pralinen und denke mir neue Kreationen aus. Und irgendwann werde ich als Nonna meine Enkelkinder in diese Künste einweihen. Paola ist bereits zwanzig Jahre alt und hat einen netten Freund. Sie sehen, ich habe ein erfülltes Leben“.
Der Unternehmensberater erklärte: „Ich bin ein Harvard-Absolvent und könnte Ihnen ein bisschen helfen. Sie sollten mehr Zeit im Geschäft verbringen und von dem Erlös einen größeren Laden kaufen. Mit dem Erlös hiervon, könnten Sie wiederum Filialen eröffnen und vielen Leuten hier in der Gegend Arbeit geben. Statt alle Konfitüre und Pralinen und Plätzchen selbst zu machen, könnten sie diese fremd produzieren lassen und vielleicht irgendwann selbst eine Produktionsfabrik eröffnen. Auch die Etiketten und die Taschen sind viel zu aufwändig, zu kostspielig und reduzieren nur unnötig ihren Gewinn. Ich könnte sie darin gerne beraten und ihnen behilflich sein, Produktion, Verarbeitung, Marketing und Vertrieb selbst zu optimieren, aber nicht alles selbst zu tun, aber zu kontrollieren. Sie könnten dann dieses kleine Dorf hier verlassen und nach Rom, Los Angeles oder Paris umziehen, von wo aus Sie dann Ihr florierendes Unternehmen leiten.“
Maria lauscht den Worten und legt noch eine ihrer Visitenkarten bei, die ihr Sohn Enrico gestaltete und am Computer selbst ausgedruckt hat: „Und wie lange wird dies alles dauern?“
Der Unternehmensberater antwortet:“So etwa 15 bis 20 Jahre.“
Maria fragt, ohne aufzuschauen, denn ihre Augen hätten ihre steigende Verachtung preisgegeben. „Und was dann?“
Der Unternehmensberater lacht und sagt:“Dann kommt das Beste. Wenn die Zeit reif ist, können Sie mit Ihrem Unternehmen an die Börse gehen, Ihre Unternehmensteile verkaufen und sehr reich werden. Sie könnten Millionen verdienen.“
Maria kommt langsam in Fahrt und ihr südländisches Temperament langsam in Wallung:
„Millionen. Und dann?“
Der Unternehmensberater entgegnet:“Dann könnten Sie aufhören zu arbeiten. Sie könnten in ein kleines Dorf ziehen, morgens lange schlafen, dann zu Mittag kochen, am Nachmittag eine Siesta mit ihrem Mann machen, im Dorf einkaufen, mit den Leuten reden, sie nach ihrem Wohl erkundigen, im Garten arbeiten und mit ihren Enkelkindern selbstgemachte Konfitüre kochen, sprich das Leben in vollen Zügen genießen.
„Vielen Dank“ mein Herr, entgegnet Maria und fügt hinzu:. „Herzlichen Dank für Ihre Beratung. Nehmen Sie dieses Fläschchen Olivenöl von Nonno Enrico als bescheidenes Beratungshonorar entgegen. Doch jetzt muss ich Sie bitten zu gehen, ich habe einen wichtigen Termin.“ Sie dreht sich um und überlegt, was sie ihrer Familie gleich Köstliches zu Essen kochen könnte.
(SMM 2009 – mehr Geschichten im E-Book Gedankenhäppchen)

von Sonja Mannhardt | Nov. 2, 2015 | Blog, Unkategorisiert
Von Gut und Böse
Es ist unglaublich! Kennen Sie Chia? Wissen Sie woher Ihr gewichtiges Problem kommt? Es scheint ja ganz einfach zu sein, unsere sehr komplexe Welt….
Da wird ein vor Monaten noch unbekanntes Sämchen zum „Super-Food“ geadelt (Chia-Samen), weil es der banale Nährstoffcocktail von Leinsamen und Sesamkörchen offenbar nicht mehr schaffen, den verwöhnten Gesundheitsgaumen zu befriedigen. Da wird das Brot zum grundsätzlichen Bösewicht in Sachen Krank- und Dickmacher erklärt ohne auch nur ein Fünkchen Gehirnschmalz daran zu verschwenden, ob es denn tatsächlich nun am Gluten liegt, oder ob es vielleicht doch an anderen Substanzen in unseren „Super-Billig-Wecken“ liegen könnte, oder doch an ganz anderen Phänomenen, dass Frau Hintz und Herr Kuntz immer mehr Lebensmittel „nicht mehr verträgt“ oder „immer dicker wird“ oder Diabetes bekommt?
Da werden „wissenschaftliche“ Studien so lange gebeugt, bis die deutsche Wurst zum neuen Krebsgeschwür auf unseren Tellern mutiert und Jedem, der genüsslich in ein Obst beißt, ob der Gefährlichkeit des enthaltenen Fruchtzuckers genau so der Bissen im Hals stecken bleibt, wie Jedem, der es heute noch wagt zum „weißen Gift“ Zucker, zur „unnützen Milch“ zu greifen oder gar genüsslich in ein Stück Steak zu beißen.
Glaubenskriege
Was ist nur los? Glauben Menschen ernsthaft, dass die Nährstoffe in 15g Chiasamen pro Tag dadurch mehr werden, dass wir sie Marketingtechnisch zu mehr erklären? Glauben Menschen ernsthaft, dass Brot allein aus Gluten besteht und Gluten, das seit Jahrtausenden dafür da ist, dass Brot zusammenklebt, jetzt ein „neues Gift“ ist? Haben Menschen hierzulande wirklich keine größeren Probleme mehr, als sich über Ernährung zu definieren? Es scheint fast so, als ob die Menschheit dazu überginge, „Die gesunde Ernährung“ zur neuen Weltreligion zu erklären und sich kaum, da diese Weltreligion die neue Weltherrschaft übernommen hat, sich bereits in vollkommen unterschiedliche Glaubensrichtungen spaltet…
Vegan, Paleo, low-carb, low-fat, free-from (das böse Gluten, die böse Milch, das böse Histamin) – die Ansichten sind genau so bunt und unterschiedlich, wie die Prister und Bischöfe, die diese Glaubensrichtungen vertreten.
Nur: Was ist, wenn es weder die „Eine gesunde, seeligmachene Ernährung“ gibt? Was ist, wenn wir genauso viele Studien finden, die einer Ernährungsrichtung in die Hände spielen, wie die, die genau das Gegenteil herausfanden? Was ist, wenn es bei der Gesundheit bei Tisch und im Schlaraffenland um weitaus mehr geht, als Glaubenrichtungen rund um ein Super-Food oder den Heil bringenden Effekt eines einzelnen Nährstoffes oder Nahrungsergänzungsmittels? Was ist, wenn man trotz all der neuen Glaubensfragen, rund um DIE richtige Ernährung dann doch krank wird? Was ist, wenn Paracelsus doch Recht hatte, wenn er sagte: „Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“
(R)AUSweg
Wäre es dann nicht eher angebracht, ein wenig Maß zu halten, eine Kardinaltugend, die schon Platon und Aristoteles mit dem griechischen Wort σωφροσύνη (sophrosyne) am besten zum Ausdruck brachte? Mäßigung beim Essen und in Ernährungs-Glaubensfragen, Mäßigung und Besonnenheit wenn es um die Themen „Gesundheit“ geht, die weit mehr ist, als das was wir essen und was die Griechen einst „Geheimnis“ nannten? Wäre es dann nicht endlich an der Zeit Essen als Totalphänomen zu betrachten, das mehr ist, als „sich zu ernähren“?
Kämen wir dann nicht zu den Schluss, dass der Mensch, seine Gesundheit, sein Wohl sein und sein Wohlergehen, ein friedvolles MITeinander in unserer gemeinsamen Welt weitaus mehr ist, als all diese lächerlichen Glaubenskriege rund um „Weizenwampe“ und „Chiasamen“?
Wie wäre es mit ein wenig mehr Genuss, Lebensfreude, mit ein mehr σωφροσύνη und Liebe statt Krieg und sei es auch „nur“ der Krieg GEGEN Lebensmittel oder FÜR die Ernährungsweise, die man selbst gerade für die „richtige“ hält?
Ich wünsche Ihnen einen guten Appetit und ein herzliches Wohl bekomm´s.
Und sollten Sie doch einmal gesundheitliche Probleme bekommen, so melden Sie sich. Wir gehen den Dingen auf den Grund und lassen uns nicht von Oberflächlichkeiten blenden.
von Sonja Mannhardt | Okt. 2, 2015 | Blog, Unkategorisiert
Neulich las ich einen Artikel über „Mass Customization“ – Produkte, die zwar in Massenproduktion hergestellt werden, aber auf die individuellen Kundenwünsche eingeht. Heute kann sich jeder nicht nur sein Auto individuell ausstatten lassen, sondern auch sein individuelles Müsli, seine eigene Schokoladenkreation und neuerdings sogar seine personalisierte Maultasche kreieren und produzieren lassen.
Soweit so gut.
Worum geht es hier?
Während die Einen diesen Trend zur Personalisierung befürworten, geizen andere nicht mit Kritik und sehen in diesem Trend bereits eine zunehmende Egomanie und Ichbesessenheit der Massen. Hauptsache individuell, einzigartig und unverwechselbar, um in der grauen Masse nicht gänzlich unterzugehen. Dafür müssen jetzt neuerdings sogar die unantastbaren Maultaschen herhalten….
Doch ist das alles? Ist es wirklich so leicht, zu behaupten, es ginge nur um das Ausleben eines übertriebenen Narzismus, weil der Mensch nicht mehr fähig ist, sich anzupassen? Geht es um dieses seltsame Wort „Selbstverwirklichung“ bis zur Mautasche? Hauptsache individuell, schmecken muss es ja nicht?
Seitenblick
Management:
Diese Woche ein Topmanager eines Großkonzern, was er sich kürzlich hat sagen lassen müssen: „Das mit dem Denken können Sie hier ruhig lassen. Sie sollten einfach nur tun, was man Ihnen sagt.“ Und ein anderer erzählte mir: „Echte Beziehung zum Vorgesetzten? Hier wird man nicht mittels eines realtional approach geführt, hier hat man zu gehorchen und MAG´s sind nichts weiter als Beurteilungen. Es gibt hier nur 3 Mitarbeiter: A,B, C – Wer C ist, wir gefeuert.“ Gehorsam und Gefolgsamkeit statt individualisierte Führung und Förderung?
Bildung:
In schweizer Kindergärten bekommen immer mehr Kinder Ritalin um artiger und braver den Anweisungen der Kindergärtnerinnen zu folgen und in Schulen sind nicht die mitdenkenden Rebellen diejenigen, die gute Noten bekommen, sondern diejenigen, die sich schnell das Denken abgewöhnen und in der grauen Masse gehorsam ihre Leistung erbringen. Gehorsam und Angepasstheit statt individualisiertes Lernen und Stärkung und Ermutigung inidividueller Persönlichkeit?
Erziehung:
Eltern lesen Erziehungsratgeber, die ihnen die Lösung für Erziehungsprobleme geben soll, anstatt sich mit jedem ihrer Kinder einzeln auseinanderzusetzen. Individualisierung Fehlanzeige.
Ernährung/Gesundheit:
Von Kindesbeinen an wird uns gesagt was wir essen sollen, was gesund ist, was nicht. Dieses Du sollst, Du musst, Du darfst wird als ultima ratio betrachtet, den Menschen doch noch zur Vernunft zu bringen, damit er, um der Gesundheit willen das „Richtige“ isst.
Ob es diese für alle „richtige“ Ernährung für Jedermann, die Gesundheit herzustellen vermag überhaupt gibt, das fragt schon längst niemand mehr. Individualisierung Fehlanzeige.
Kann es folglich sein, dass
> gerade weil es mehr und mehr an Wertschätzung dem Einzelnen gegenüber fehlt, der Wunsch nach customizes Produkten steigt?
> gerade weil viele Menschen unter einer zunehmenden Fremdbestimmung leiden, der Wunsch nach selbstbestimmten Entscheidungen steigt?
> gerade weil die zunehmenden Botschaften „Du sollst nicht denken“ und „Du sollst gehorchen“ in den Menschen ein Gefühl der Ohnmacht und des
Protestes hervorrufen, sich gottlob „nur“ bei Müsli und Maultaschen einen Ausweg suchen?
Der Mensch ist ein emotionales Wesen
Der Mensch ist ein Ziel orientiertes Wesen….
Und wenn sich diese Einzelmenschen besser und wohler fühlen, sich aus der Fremdbestimmungs- und Gehorsamkeitsfalle damit helfen können, indem sie Müslis, Schokolade und individuelle Maultaschen kaufen – so what?
Es könnte deutlich Schlimmeres geben….z.B. dass dieser Konzern letzte Woche einen seiner fähigsten, mitdenkenden, visionärsten und darüber hinaus mitmenschlichsten Führungskräfte verloren hat und dass es immer weniger solcher Führungskräfte geben wird, wenn nicht bald ein Umdenken geschieht, denn bereits im Kindesalter werden viele der Manager dazu erzogen, auf keinen Fall aus der Masse hinauszutreten und zu gehorchen. Das einzige, was scheinbar zählt ist nicht der einzelne Mensch, sondern nur seine Leistung und die wird mehr und mehr als austauschbares Massengut betrachtet… Einheitsmüsli statt Vielfalt und sollten unerwünschte Rosinen drin sein – raus damit! 🙂
Lebens-Mittel für Manager, die nicht nur Einheitsmüsli wollen?
> Führen durch echte Beziehungen
> Echte Wertschätzung
> Vertrauen schenken
> Selbstbestimmung und MITdenken fördern
> Fehlertoleranz und Großzügigkeit
> Fördern und fordern der Einzigartigkeit und der individuellen Stärken,
statt fördern von Massenbrei und Massengehorsam.