von Sonja Mannhardt | Aug. 19, 2013 | Blog
Dass Geiz für Viele noch immer geil zu sein scheint, wissen wir längst, doch dass Dienstleistungen in diesem Lande gerne als Ehrenamt betrachtet werden, aber nicht als Leistung zum eigenen Broterwerb, dieser ungute Virus scheint mehr und mehr um sich zu greifen. Doch auch im produzierenden Handwerk geht die Geiz ist geil Pfennigfuchserei langsam aber sicher ans Eingemachte und zehrt nicht selten an der Existenz.
In diesem kurzen Artikel möchte ich gerne ein paar Worte aus dem Nähkästchen plaudern lassen, von Kunden, hinter vorgehaltener Hand anvertraut oder aus eigenem Erleben. Diese kurzen Geschichten sollen zum nachdenken anregen, über das eigene Verhalten. Schauen wir über den gängigen „Deutschland geht es gut!“ Tellerrand hinweg und lauschen wir Stimmen von Dienstleistern und kleinen Handwerkern, denen dieses Geiz ist geil Thema mittlerweile schwer zu schaffen macht.
1.) Eigene Erfahrung:
Es klang wie ein unmoralisches Angebot, als ich kürzlich gefragt wurde, ob ich einen Vortrag halten könne, um einer Gemeinde dabei behilflich zu sein, ein spezielles Dienstleistungsprodukt zu bewerben. Auf meine Frage, welches Budget denn zur Verfügung stünde für meine Dienstleistung, sprich den Vortrag inklusive Vorbereitungsarbeit, bekam ich zur Antwort: „Um ehrlich zu sein – Keines.“
Da es nicht möglich war, einen Geldgeber für den Vortrag aufzutreiben, hat man eine Kollegin engagiert, die selbstverständlich gratis für fremde Leistungen Werbung macht. Ach ja?
Ist diese Kollegin eine Heilige? Hat Sie einen Millionär als Mann? Ist ihr langweilig und ihr Studium und ihr Beruf nur eine Alibiaktion gewesen, eine Art „Jodeldiplom“? Ist die engagierte Kollegin evtl. gar keine professionelle Fachkraft, sondern eine Laien-Beraterin, die ihr Know-How auf einem Wochenend-Kurs erlangte und ihre Vorträge „googlet“, eine, die Vorträge mit Wissensvermittlung verwechselt? Wer nichts weiß, geht über den Preis?
Und der potentielle Auftraggeber? Was ist zu halten von einer solchen WERTschätzung? Ist gute Leistung keinen guten Lohn mehr wert? Glaubt man tatsächlich eine gute Leistung für lau zu bekommen?
Ein weiteres Beispiel aus meinem Berufsalltag: Ein Manager mit einem Jahreseinkommen von über 750.000 Euro sagt doch ernsthaft zu mir folgende Sätze: „Ich kann mir nicht leisten, bei Ihnen Coaching auf eigene Kosten in Anspruch zu nehmen, so gerne ich es täte, weil ich ja weiß, dass es bei Ihnen etwas bringt. Mein Unternehmen stellt mir aber gratis einen Coach zur Verfügung. Der scheint wesentlich billiger zu sein, als Sie. Ob etwas dabei herauskommt, interessiert die da oben doch eh nicht, sonst könnte ich ja zu Ihnen. Hauptsache der Coach, den man bucht ist billig. Die geben auch Unsummen für billige Trainer aus, ohne nach dem Effekt zu fragen. Hauptsache es kostet nicht viel. Personalentwicklung ist in Wahrheit nichts wert – eine Alibiübung. Bei uns kommen Sie nur rein, wenn Sie die Mitbewerber im Preis unterbieten. Dann hätten Sie eine Chance.“
2.) Gesundheitswesen:
Es ist verrückt. Wir Fachkräfte in der Altenpflege, wir arbeiten quasi mit der Stoppuhr. Alles ist getacktet und jeder Prozess minütiös durchkalkuliert. Die Zeit, die zur Verfügung steht, Kompressionsstrümpfe anzuziehen, essen zu geben, waschen – Alles. Und die Zeit reicht hinten und vorne nicht. Jedes Mal, wenn ich bei einem älteren Menschen länger bleibe, mich diesem Menschen annehme, mich mit ihm unterhalte, einfach nur DA bin, als MITmensch, geht das auf meine Kosten. Das was wirklich wichtig ist, das Gespräch, die Zuwendung, dafür haben die Verantwortlichen keine Bezahlung eingeplant.
Für uns Physiotherapeuten lohnt es mehr, eine Fangopackung auf einen Rücken zu legen, als das zu tun, wofür wir gebraucht werden, nämlich Krankengymnastik. Diese Dienstleistung wird einfach nicht wertgeschätzt. Für jede ungelernte „Wellnessmasseurin“ wird mehr Geld ausgegeben, als für eine professionelle Physiotherapie. Wir schuften uns körperlich und psychisch kaputt, sind quasi „Akkordarbeiter“, anders ist es nicht möglich seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Ernährungsberater, Gesundheitscoaches, Burnout-Berater, Stress-Coaches und wie sie alle heißen. Wir Professionellen studieren, sind gezwungen zig Fortbildungen zu machen uns permanent auf eigene Kosten fort- und weiterzubilden, um irgenwelche Qualitätszertifikate zu halten und da kommen diese Laienberater, machen ein paar Wochenendkurse bei irgendwelchen Anbietern, die nur auf Geldmacherei aus sind, und bieten ihre Dienste dann auch noch fast gratis an und ruinieren ganze Branchen durch ihre Dumpingpreise. Vorträge in Kindergärten, Fortbildungen für KiTa-Angestellte, Präventionsprojekte in Schulen, in der Erwachsenenbildung, Beratungen; Alles gratis zu haben?
3.) Handwerk:
Ich gehe durch eine Hauptstraße in Freiburg und entdecke eine bezaubernde kleine Bäckerei, gehe hinein und hole mir ein Croissant, das genau so schmeckt, wie ich es aus Frankreich kenne. Ich sage der älteren Dame, dass es ganz hervorragend schmeckt und dass ich ihre Bäckerei ganz zauberhaft und einfach wunderbar finde. Sie schaut mich traurig an: „Wir sind hier in der 4. Generation als Quartierbäcker. Doch heute kämpfen wir ums Überleben. Gehen Sie nur diese Straße entlang. Sie finden überall mittlerweile „Aufback-Bäckereien“. Ob ein Bäcker am Werk ist, oder eine Verkäuferin konfektionierte Ware, voller Backhilfsmittel und Co. aufbackt, das interessiert doch niemanden mehr. Hauptsache alles ist überall zu bekommen und kostet nichts. Die Großen fressen die Kleinen. Wie lange es uns noch gibt – wir wissen es nicht.“
Ich leite jetzt eine dieser Bäckereifilialen, die mittlerweile ja zu jedem Supermarkt dazugehören. Vor zwei Jahren hatte ich noch einen Handwerksbetrieb mit 10 Angestellten. Nein: Besser geht es mir heute auch nicht, denn ich muss bis quasi zum Ladenschluss die gesamte Ware in der Auslage haben. Da darf nichts ausgehen. Ich produziere quasi das Meiste zum wegwerfen, nur damit der Schein der Fülle gewahrt bleibt. Gute Qualität hat mir als Handwerks-Meisterbetrieb das Genick gebrochen, hier ist es ähnlich. Masse statt klasse und Hauptsache billig. Wenn sich da nicht bald etwas ändert, sehe ich schwarz für den Mittelstand.
Natürlich gibt es Ausschreibungen. Doch wir können bei diesem Preisdumping einfach nicht mehr mithalten. Heute geht doch Alles nur noch über den Preis. Die meinen tatsächlich Alle, sie bekämen GUTES für BILLIG….Wir schauen schon lange in die Röhre und halten uns mit Kleinstaufträgen von Privatleuten über Wasser. Wie schlecht es uns geht, traue ich meiner Frau gar nicht zu sagen. Sie würde sich nur Sorgen machen. Und die Verantwortlichen, die „Gutes für billig“ einkaufen wollen? Sie legen meistens drauf, weil die Qualität nicht stimmt und der versprochene Preis überhaupt nicht zu halten ist. Aber das wird dann meist schöngeredet. Dass der Denkfehler am Anfang stand, will dann Keiner mehr zugeben. Dass es mir gesundheitlich langsam zusetzt, ist doch kein Wunder – nur – wer gibt das schon gerne zu. Es muss ja irgendwie weitergehen.
4.) Das Sterben der Kleinen und eine sinnvolle Gegenmaßnahme
„In unserem Kaff ist doch gar nichts mehr los. Die halbe Hauptstraße ist doch wie leergefegt. Hier kann man doch fast nichts mehr kaufen.“ So lästerte kürzlich eine Bekannte von mir über das „Sterben“ hier im ländlichen Raum. Ich fragte Sie: „Hast Du hier Deine Schuhe gekauft, Deine Klamotten, Deine Schreibwaren, Deinen Fernseher im Fachhandel, Deine Geschenke im Geschenklädele, Deine Vorhänge beim Raumausstatter, Deine Wurst beim Metzger, der sein Vieh nur regional bezieht?“ Nein. Sie kauft seit Langem im Internet, bei Ikea, im Aldi, weil es ja soooo billig ist.
Ist es wirklich so billig und wenn: Lohnt sich diese Pfennigfuchserei wirklich, wenn mal etwas kaputt geht, wenn ein Steak in der Pfanne auf die Hälfte zusammenschrumpft, wenn unsere kleinen Ortschaften aussterben und alte Menschen nicht einmal mehr ein Brot im Ort kaufen können?
Ökonomisches Prinzip
Viel ist mir aus meinen BWL-Vorlesungen nicht geblieben, doch Eines sehrwohl. Das ökonomische Prinzip. Damals gab es das Minimalprinzip (mit möglichst wenig Mitteln, ein gegebenes Ziel erreichen. KostenMINIMIERUNG) und das Maximalprinzip (einen möglichst großen Nutzen mit festgegebenem Budget zu erreichen. NutzenMAXIMIERUNG); also mit den zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst weit zu kommen, oder ein Ziel zu erreichen.
Heute scheint der Glaube zu herrschen, beide Prinzipien miteinander kombinieren zu können. Mit minimalen Mitteln einen maximalen Nutzen erreichen zu können, oder der Nutzen und das Ziel spielen überhaupt keine Rolle mehr, Hauptsache der Dienst, den man einkauft ist billig oder umsonst. Völlig grotesk, doch anscheinend ein um sich greifendes Phänomen.
Berater, Coaches, Trainer besonders betroffen
Berater, Coach, Trainer, Vortragsredner….Ein buntes Völkchen ganz verschiedener Couleur. Ihnen ist nur eines gemeinsam: Ihre Berufsausübung und die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Jeder kann sich so nennen. Jeder seine Dienste anbieten. Da wundert es nicht, dass gerade in dieser Branche ein Wildwuchs herrscht und der Markt nicht wirklich transparent ist. Da wundert es nicht, dass gerade diejenigen, die sich offenbar selbst nicht über den Weg trauen insbesondere durch billige Angebote auffallen.
Da wundert es nicht, dass sich enttäuschte Kunden, abschätzig und abwertend über ganze Branchen öffentlich äußern. Wie las ich kürzlich in einem Beitrag im Internet: „Berater und Coaches sind doch häufig nur Arbeitslose oder Gescheiterte mit Visitenkarte“. Es ist schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Doch Eines ist gewiss: Wer sich seiner Leistung bewusst ist, wer weiß, was er zu bieten hat, wer mit seiner DienstLEISTUNG eine Familie ernähren muss, der kann es sich nicht erlauben für UMSONST zu arbeiten, der hat das Selbstbewusstsein, einen angemessenen Preis zu verlangen.
Eine Kollegin von mir, Frau Kirsch hat einen guten Beitrag zum Billig-Anbieter Thema geschrieben, den ich den Lesern dieses Beitrags nicht vorenthalten möchte. Ein Umdenken in der Branche ist notwendig und Jeder, der Dienstleistungen als gutes Handwerk und gutes Handwerk selbst in Anspruch nimmt, sollte sich darüber im Klaren sein, welche Verantwortung er mit seinem Denken und Handeln trägt. Wer nur auf den Preis achtet, sollte keine Topqualität erwarten und sich darüber im Klaren sein, was genau er damit fördert und heraufbeschwört.
Eine andere Kollegin, Expertin für Kundenloyalität hat sich dem Thema Preisdumping als Strategie für den Kundenfang aus der Perspektive des Vertriebs angenommen. Und auch Sie kommt zu ähnlichen Schlüssen. Billig ist nicht klug sondern mitunter sehr gefährlich!
Fragen an Jedermann
>Sollen diejenigen die Nase vorn haben, denen es an Qualitätsbewusstsein fehlt?
>Sollen diejenigen Aufträge bekommen, die ihr Know-How nicht durch langjährige Ausbildungen, Fort- und Weiterbildungen erlangt haben, sondern durch Schnellschusszertifikate?
>Sollen diejenigen den Markt beherrschen, denen es an eigenem Selbstwert fehlt?
>Sollen diejenigen Menschen betreuen, beraten, coachen, die ohne Rücksicht auf Verluste, Menschen (Mitbewerber) existenziell schädigen? Sind das gute Vorbilder, wirklich gute Wegbegleiter?
>Will sich der Kunde tatsächlich mit „Trostpreisen“ abspeisen lassen, oder geht es auch um Qualität und Effektivität, um guten Service, um eine gezielte Kundenorientierung, um Mehrwert und Zusatznutzen, um Nehmen UND GEBEN?
Anekdötchen („Was nichts kostet ist nichts wert.“ A.Einstein)
Meine Mama erzählte häufig die Geschichte vom Fasswein, den ihr Chef, der Bolanz-Wirt gerne vor der Bestückung der Fässer mit neuem Wein losgeworden wäre. Doch es wollte nicht wirklich gelingen. Die Leute wollten den Fasswein einfach nicht kaufen. Da kam dem Chef eine Idee. Er bot den Wein günstiger an. Meine Mutter runzelte nur die Stirn und sagte: „Was nit koschtet, isch nit wert. Des het scho dä Albert Einstein gseit. Des kaufe d´Lüt nit.“ Und sie sollte Recht behalten. Der Wirt blieb auf seiner Ware sitzen. Doch meine Mutter liess nicht locker. Sie verdoppelte kurzum den Preis des Weines und erzählte, dass nur noch ein Fass da wäre und man sich beeilen müsse, weil er bald nicht mehr zu haben sei. Und siehe da: Innerhalb kurzer Zeit war der ganze Fasswein verkauft und Platz für die neue Abfüllung geschaffen. Die Kunden waren zufrieden, denn sie bekamen für Ihr Geld etwas Besonderes und der Wirt war es auch, ebenso wie meine Mama, die in dieser Zeit auch noch mehr Trinkgeld einnahm als gewöhnlich.
Doch nicht nur diese Geschichte sollte zum Denken anregen, auch folgende Beispiele sollen ermutigen, sich nicht anstecken zu lassen vom Hauptsache billig-Virus.
Licht am Horizont
SINN und QUALTÄT, statt Aldisierung: Dass es auch anders geht, zeigt Menzenschwand. Dort wird dem Sterben im ländlichen Raum gezielt mit Qualität und einem Bewahren des GUTEN entgegengewirkt. Die „Kleinen“ Erzeuger treten gemeinsam unter dem Label „HEIMATsinn“ auf, traditionell, Qualität bewusst und modern. Eine tolle Idee, die sich herumsprechen sollte, denn sie macht SINN und wirkt dem Geiz ist geil-Virus entschieden entgegen. Man schmeckt den Unterschied…
Und auch hier finden gute Produkte wieder wertschätzende Abnehmer. Egal ob mit Liebe gestrickte Wollsocken oder glückliche Eier von Ihrem Huhn zu bekommen….Qualität scheint sich wieder durchzusetzen, zumindest dort, wo der Kunde wieder König ist und er etwas Besonderes für sein Geld bekommt.
Bäckerhandwerk. Klein aber sehr fein. Das sieht auch der Feinschmecker so und prämiert eine Bäckerei unserer Region, mit „Tante Emma-Lädele Ambiente“ zu einer der besten Bäckereien Deutschlands. Qualität lohnt sich also doch und wenn es um 11 Uhr morgens in der winzigen Filiale in Oberweiler eben keine Buttercroissants mehr gibt, dann kauft man eben die leckeren Laugencroissants oder greift gleich zum gesunden und sehr köstlichen Vollkornbrot, das auch nach mehreren Tagen noch sensationell gut schmeckt.
Handwerk: Gemeinsam auftreten macht stark. Auch das ist eine Möglichkeit, besser auf sich und seine Leistungen aufmerksam zu machen. Davon machen nicht nur Meisterbetriebe im Handwerk Gebrauch und helfen den „Kleinen“ sich als Qualitätsanbieter gegen die Preisdumper durch gute Leistung, Service und Zusatznutzen durchzusetzen.
Im Gesundheitswesen finden Interessenten über spezielle Fachverbände eine Möglichkeit, die Spreu vom Weizen zu trennen. So beispielsweise bei Ernährungsberatung und Ernährungstherapie. Wer bei professionellen Beratern seine Dienste in Anspruch nimmt, die auch von den Krankenkassen anerkannt werden, bekommen sogar noch Bonuszahlungen, so dass sich hier Qualität auf jeden Fall auszahlt. Auch im Bereich der Allergien ist es ratsam, nicht auf Selbsttests oder Scharlatane reinzufallen, sondern sich sofort qualifizierte Unterstützung zu suchen.
Und im Coaching und Trainerbereich? Da bleibt die Lage nach wie vor undurchsichtig, denn weder Listungen noch Abschlüsse garantieren eine gute Wahl, doch Eines ist sicherlich gewiss. Wer seine Leistung zu billig verkauft, kann als seriöser Anbieter nicht ernst genommen werden.
Und wer auf Qualität im Coaching wert legt, der besteht auf Referenzen und Evaluation. Gerne berichte ich in diesem Zusammenhang in Kürze über diese Outcome-Studie, an der ich selbst mitwirkte und glücklicherweise ein internationales Benchmark vorweisen kann.
Auch die Werbe-Agenturen bekommen mittlerweile Gegenwind. So hat beispielsweise Billigheim Redcoon die rote Karte gezeigt. Geiz ist für sie überhaupt nicht geil. Zumindest ein Anfang…auf dem Weg zurück in die Vergangenheit, als man es nicht für klug hielt, alles über den Preis zu steuern.
Last but not least. Kluge Worte gegen Geiz ist geil…
Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand
ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen
könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.
Es ist unklug zuviel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zuwenig zu bezahlen.
Wenn wir zuviel bezahlen, verlieren wir etwas Geld, das ist
alles. Wenn wir dagegen zu wenig bezahlen, verlieren wir manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.
Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert
zu erhalten. Nehmen wir das niedrigste Angebot an , müssen
wir für das Risiko, das wir eingehen, etwas hinzurechnen.
Und wenn wir das tun, dann haben wir auch genug Geld, um
etwas Besseres zu bezahlen.
John Ruskin
(Engl. Sozialreformer 1819-1900)

Geiz ist gar nicht geil
Wenn auch Sie sagen: Da mache ich nicht mit! Qualität hat seinen Preis und Geiz ist geil ist viel zu teuer; wenn Sie sagen, auch ich habe zu diesem Thema ein paar eigene Erfahrungen beizusteuern, dann freuen wir uns über Ihren Kommentar.
Oder wir freuen uns über den Besuch eines unserer Angebote, die immer über gängige Tellerränder hinwegblicken und nichts Wichtigeres ins Zentrum stellen, als Sie und Ihr WOHL! Hier geht es zu den aktuellen Terminen (Seminare und Webinare), hier zu den Vorträgen und hier zu den Coachingangeboten und (R)AUSzeiten.
Ihre Sonja Mannhardt
von Sonja Mannhardt | Juni 29, 2013 | Blog, Führungskräfte
Unternehmenswert Mensch – Ein Personalstrategieprogramm speziell für den Mittelstand
Fachkräftemangel und demografischer Wandel stellen schon heute viele kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) vor große Herausforderungen, da für strategische Entscheidungen oft die nötigen finanziellen Ressourcen fehlen.
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat es sich zum Ziel gesetzt, gerade diese Unternehmen (bis 250 MA) bei der Entwicklung moderner Personalstrategien zu unterstützen. Hierzu leistet auch das Modellprojekt UnternehmensWert: Mensch einen Beitrag, finanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundes:
Seit Oktober 2012 können KMU dabei Unterstützung in Anspruch nehmen, die personellen Anforderungen Ihres Unternehmens mit professioneller Beratung aufzudecken und maßgeschneiderte personalstrategische Lösungen zu entwickeln – von Gesundheitsfragen über flexible Arbeitszeiten bis hin zu Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei gewinnen nicht nur Ihre Beschäftigten, sondern Ihr Unternehmen als Ganzes!
Benötigen sie Unterstützung in diesen Handlungsfeldern?
Personalführung: Eine moderne Personalführung berücksichtigt die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten, bindet diese aktiv in Entscheidungen ein und fördert sie unter Berücksichtigung der aktuellen Lebenssituation.
Chancengleichheit & Diversity: Unternehmen schöpfen neue Potenziale, wenn sie den Besonderheiten der eigenen Belegschaft gerecht werden und allen Beschäftigten Entwicklungschancen bieten – unabhängig von Alter, Geschlecht, familiärem oder kulturellem Hintergrund.
Gesundheit: Damit die Belegschaft und damit das Unternehmen auch in Zukunft leistungsfähig ist, braucht es geeignete Angebote zur Förderung der physischen und psychischen Gesundheit. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen für einen gesunden Arbeitsalltag sensibilisiert werden.
Wissen & Kompetenz:Wissen muss im Betrieb gehalten und innerbetrieblich weitergegeben werden. Dafür müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt weitergebildet und die Lernmotivation der Belegschaft gefördert werden.
Wer kann mitmachen?
Das ESF-Förderprogramm steht allen kleinen und mittleren Unternehmen der Modellregion Stuttgart offen, die
- natürliche und juristische Personen des privaten Rechts sind,
- weniger als 250 Beschäftigte umfassen,
- ihren Sitz und ihre Arbeitsstätte in Deutschland haben,
- mindestens eine/einen sozialversicherungspflichtige/n Arbeitnehmer/in in Vollzeit beschäftigen,
- und die seit mindestens fünf Jahren bestehen.
Webseite UnternehmensWERT:Mensch
Flyer zum Modellprojekt:
Wie können Sie mitmachen?
- Kontaktieren Sie Ihre regionale Beratungsstelle in Stuttgart:
Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e.V. Löffelstr. 22 – 24 , 70597 Stuttgart, Ansprechpartnerin: Doris von der Weiden, Tel: 07158-931692 ; E-Mail
Trier, Mannheim, Ludwigshafen sind ebenfalls Modellregionen und ich selbst arbeite für dieses Projekt auch im Rhein-Main Gebiet.
Alle Beratungsstellen und regionalen Ansprechpartner des Projekts finden Sie hierDort erhalten Sie eine kostenlose Beratung, in der Sie gemeinsam den Bedarf in den 4 Handlungsfeldern ermitteln.
Ein Beratungscheck wird ausgestellt in der ausgewiesen wird, wie viele Beratertage beantragt werden können.
- Fördermittel beantragen und Beratung in Anspruch nehmen:
Sie stellen einen Antrag auf Förderung und sobald Sie die Zusage erhalten, beginnen die Fachberatungen. Ihnen stehen dazu regional und überregional autorisierte Fachberaterinnen zur Verfügung. Mehr zum Procedere
Wer sind Ihre Ansprechpartner für die Fachberatungen?
Im Fachberaterpool des Projektes finden Sie deutschlandweit, erfahrene, autorisierte Berater. Für wen Sie sich entscheiden, bleibt Ihnen selbst überlassen. Sie beauftragen denjenigen Berater, der Ihnen passend erscheint.
Auch ich stehe Ihnen gerne als autorisierte Fachberaterin insbesondere für die Handlungsfelder Personalführung und Gesundheit zur Seite. Kontaktieren Sie mich, sobald Sie wissen, wie viele Beratungstage bei Ihnen gefördert werden.
Es können bis zu 15 Tage sein, die dazu dienen, dass wir Sie darin unterstützen, Ihr Unternehmen in die Zukunft zu führen. UnternehmensWert Mensch: Denn nur Menschen bringen Unternehmen voran. Doch beeilen Sie sich! Modellprojekt bedeutet, dass Sie nur bis Mai 2014 einen Antrag stellen können, denn Ende 2014 läuft das Projekt bereits wieder aus.
Gerne stehe ich Ihnen für Fragen ab sofort zur Seite.
Ihre Sonja Mannhardt
von Sonja Mannhardt | Juni 28, 2013 | Blog, Führungskräfte
Wie bitte? Microlearing ist ein neuer Trend in der Personalentwicklung? Lernstoff wird radikal zerkleinert, zerteilt, fragmentiert. Die Lernenden bekommen ein „Destillat“ an „Lerninhalten“ just in time vorgesetzt? Und erklärt wird dieser Unsinn damit, dass die Generation X „Ausschweifendes ablehnt? Kommt Multiple-Choice jetzt schon wieder? Ich fasse es nicht.
Wissensanhäufung hat nichts mit Lernen zu tun!
Da mühen sich Pädagogen seit Jahrhunderten ab, den Unterschied zwischen Lernen und Wissensvermittlung zu vermitteln. Da sagte bereits Mephisto, dass derjenige, der die Teile wohl in der Hand hat, ihm dennoch das geistige Band fehlt. Da suchen Firmen händeringend nach Menschen, die das „selbst denken“ nicht verlernt haben, sondern im Stande sind über Expertentellerränder zu blicken. Da werden händeringend „Kreative“ gesucht, die Welten verbinden können. Da wurden früher Literaten nicht müde zu erwähnen, dass es für echte BILDung Zeit benötigt (Bildung ist eine Lebensform. Sie ist die Kombination von Denken, Können und Wissen. K.Jaspers). Es gibt unzählige medizinische Studien, die mittlerweile belegen, dass es genau solche „Arbeitsbedingungen“ sind, die Menschen auf Dauer krank machen. Und Lernpsychologen sagen: „Aus lernpsychologischer Sicht wird Lernen als ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens und Fühlens aufgrund von Erfahrung oder neu gewonnenen Einsichten und des Verständnisses (verarbeiteter Wahrnehmung der Umwelt oder Bewusstwerdung eigener Regungen) aufgefasst.“ Effektivitätsstudien inbesondere im Executive-Coaching Bereich (1) kommen zu dem Schluss, dass die Erfolge dort am größten sind, wo Menschen in „guten, vertrauensvollen Beziehungen“ sind. Und ich stimme meinem Lehrer zu: „Lernen ist eine gewisse Form des Lernen lassens.“ Zu unserer Art Lehre und lernen zu lassen, gehören nur wenige Methoden des Lernens. Das Mircolearning gehört aber definitiv nicht dazu.
Selbst die Erfinder dieses neuen „Lernformats“ (korrekterweise müsste es Wissensformat heißen), müssen eingestehen:
„Es geht nur darum Fakten, Definitionen und Abläufe zu vermitteln, oder für ein Thema zu sensibilisieren. Es ist nicht möglich ein bestimmtes Verhalten zu zeigen.“
Und Robelaire sagte: „Menschen sind keine Gefäße, die gefüllt werden, sondern Feuer, die entfacht werden.“ Und wem Multiple-Choice, Lernkarteien, Twitter-Nachrichten, SMS, Podcasts keine Unbekannten sind, der weiß, was davon „hängen bleibt“.
Doch die Erfinder des Microlearning wissen es offenbar besser: „Lernen und Erfolgsmessung passieren gleichzeitig. Es wird sichtbar, wie viel wirklich hängen geblieben ist“ (2)
Bulimielernen, passend zum Zeitgeist
Ausschweifendes wird von den Jüngeren abgelehnt, es besteht kein Interesse mehr an Tiefgang? Und der Mensch legt neuerdings mehr wert auf die „Zeit-Erlebnisökonomie“, will also in noch weniger Zeit, sich noch mehr Wissen einverleiben?
Mag sein, doch wo sind wir, wenn die Lernenden den Lehrenden vorschreiben, WIE gelehrt wird? Wird da nicht der Bock zum Gärtner gemacht? Irren sich hier nicht die Lehrenden, die Wissen mit Lernen gleichsetzen? Geht es überall nur noch um Brot und Spiele? Wird der Mensch jetzt vom Menschen selbst zum gefühllosen, nicht mehr denkenden Computer umgestaltet?
Wo sind die Gebildeten an den Schaltstellen, wo solche Entscheidungen getroffen werden?
Vorträge kürzer als 15 Minuten, Videos mit maximal 300-400 Worten, andere Microlearningformate fragmentiert bis zur nackten Wissensbotschaft, die nicht mehr als wenige Sekunden Zeit beansprucht und sofort mit einer „Erfolgskontrolle“ versehen wird? Das soll modernes Lernen sein?
Mir fällt dazu nur die Bulimie ein: Wissen fressen, bis zum Erbrechen. Alles in sich hineinstopfen, einfach Masse konsumieren bis man sich übergeben muss. Fressen als einzige Handlungskompetenz die touchiert wird, die Sache (Lernen/Essen) nur noch Ersatzbefriedigung, eine wahre Sättigung stellt sich nie ein, weil der echte Hunger auf (Bildung und mehr) einfach nicht befriedigt wird?
Wenn sich dieses Format, wie deren Erfinder voraussagen, durchsetzt an Schule, Universität und in der Personalentwicklung na dann passt für mich nur noch ein Satz: „Nur ein Gott kann uns retten. M.Heidegger“
tl;dr
Wer bis hierher gelesen hat, der scheint aber noch nicht wirklich „Wissens-Bulimie“ gefährdet zu sein, denn diese Abkürzung heißt: „Too long, didn´t read.“
Und sollten Sie als HR-Manager oder verantwortlicher Manager für Bildungsfragen, Fragen zu den Themen: Lernen und Bildung; nachhaltige Personalentwicklung, Gesunde Führung, ethische Führung haben, so freue ich mich, von Ihnen zu hören.
Ihre Sonja Mannhardt
Führungskräfteentwicklung & Gesundheitsmanagement
Phone: 07635-824847
E-Mail: Info@sonja-mannhardt.de
(1) Erik de Haan et al. „Greatest Ever“ Executive Coaching Outcome-Study. (Management Summary auf Anfrage) Oder lesen Sie den nächsten Blogbeitrag, hier.
(2) Constantin Gillies. Kleine Portionen, bitte. ManagerSeminare, 183, 6/2013, 56ff
von Sonja Mannhardt | Mai 14, 2013 | Blog
BESSER statt MEHR für WENIGER
Schlaraffenland ist JETZT! Schneller, höher, weiter, billiger und Geiz ist geil hat auch vor dem Essen nicht Halt gemacht. Den Preis zahlen wir und alle, die an diesem Prozess beteiligt sind. Von einer Kollegin habe ich diesen Beitrag empfohlen bekommen, den ich gerne mit Ihnen, werte Leser teilen möchte.
Bayrischer Rundfunk. Alpha-logos. Weniger ist besser!
Überlegungen zu unserem Nahrungswohlstand und dessen Folgen:
- Tonnen von Essen landen im Müll. Alle paar Sekunden stirbt ein Kind an Hunger
- Nahrung ist industrialisiert. Die Distanz zwischen Entstehung und Konsum ist gewachsen.
- Keine Überschauung mehr dieser komplexen, entgrenzten Systeme.
- Räumliche Entgrenzung (weltweite Produktion, Abkopplung von der eigenen Lebenswelt)
- Zeitliche Entgrenzung (z.B. Subventionierung führt dazu, dass zukünftige Generationen die Zeche zahlen)
- Physische Entgrenzung (keine Eigenproduktion mehr, kein Bezug mehr zur Herstellung und Herkunft mehr)
- Überbordender Wohlstand ist auch überbordender Nahrungswohlstand.
- Billig durch spezialisierte, industrialisierte Massenproduktion:
Billiges Essen führt dazu, dass für anderes mehr Geld übrig ist
- Bequem: Convenience ohne Aufwand und nichts mehr selbst tun (müssen/können)
- Vielfalt: Fast unüberschaubare Wahl von Möglichkeiten.
- Verantwortung wird delegiert „an andere“. Andere ernten, bereiten zu, andere entscheiden, was „GUT“ ist, „GESUND“ ist und am Ende der Kette sogar zerstört. Wir werden VerantwortungsLOS.
- Die Abhängigkeit vor Fremdversorgung steigt ins Unmündige.
- Gier nach billig statt nach Qualität.
- Billige Lebensmittel fordern einen hohen Preis. (Hungerlöhne in Produktionsländern, Kinderarbeit, unnatürliche Tierproduktion, Pflanzenproduktion ohne Erde, ausgelaugte Böden, lange Transportwege, Umweltbelastung, Lebensmittel nicht frisch, aufgepeppt mit Geschmacksverstärker und Aromen)
Niemand sollten diese Aspekte unseres modernen Schlaraffenlandes kalt lassen. Doch sind wir nicht „hilflos“ diesen ganzen weltumspannenden Veränderungen ausgeliefert? Können wir als Einzelne überhaupt etwas tun?
Viele sind sich einig:
Wir brauchen eine Wende und Jeder kann seinen kleinen, individuellen Beitrag dazu leisten.
Wie wäre es mit folgenden Schritten, raus aus der Mehr-für-Weniger-Falle?
- Regional und saisonal einkaufen (kurze Distanzen, direkter Kontakt). Z.B. Anteilskäufe an Bauernhöfen.
- In einem eigenen Garten selbst anbauen. (Partieller Selbstversorgung). Gärten zurück in die Städte macht stolz, schmeckt, ist frei von Schadstoffen
- Gemeinden könnten Brachflächen dafür zur Verfügung stellen, oder andere Projekte könnten etabliert werden (z.B. Krautgärten, Gemeinschaftsgärten mit „Saisonkarten“, Frühstücks-Eier-Initiativen u.a.)
- Lieber auf Qualität statt auf Quantität zu achten.
- Suffizienz: Weniger des Zuviel des Guten. Eine Ernährungswende ist gleichzeitig eine Energiewende.
- Maß macht glücklich, Übermaß macht nicht satt.
- Guter Geschmack macht mehr satt, ebenso wie Essen mit allen Sinnen.
- Genuss und Esskultur, statt den Hype um „DIE gesunde Ernährung.
- Selber Kochen erhöht die WERTschätzung für Lebensmittel, gemeinsame Mahlzeiten.
- Wie wäre es mit mehr ZEIT und MUSSE für Essen zu investieren, um wirklich SATT zu werden.
- Bildungssysteme, in der wieder KOCHEN und HALTBARMACHEN gelehrt wird.
- Selbst- statt fremdbestimmt leben: Wie wäre es mit mehr Bereitschaft, sich ein Stück Lebensverantwortung zurück zu erobern? WIE wollen wir leben? WIE und WAS und WIE VIEL wollen wir essen? WIE ginge es uns, wenn wir wieder selbstbestimmter unser Leben leben wollten?
Gerne begleite ich Sie und Ihre Liebsten, ein Stück auf Ihrem Weg, weg von mehr Masse für weniger Geld, hin zu BESSER essen und maßvoller Essgenuss.
Gerne begleite ich Sie und Ihre Liebsten, Ihren Weg für mehr Wohl und GleichGEWICHT im heutigen Schlaraffenland zu finden.
Gerne verrate ich Ihnen ein paar Koch- und Küchengeheimnisse und zeige Ihnen, was es heißt genussvoll zu genießen und wieder Freude am Kochen zu haben.
Wie wäre es mit einer Kräuterwanderung? Essbare Pflanzen kennen lernen, in der Natur speisen? Eine kleine AusZEIT nehmen? Auch etwas für Haushalts-ManagerInnen und Berater des Gesundheitswesens.
Ich freue mich darauf, Ihnen persönlich zu begegnen.
von Sonja Mannhardt | Mai 12, 2013 | Blog, Führungskräfte, Unkategorisiert
„Mama, was gibt es heute zu Mittag?“ fragt mein Sohnemann und mir fällt siedend heiß ein, dass ich keine Zeit zum Einkaufen hatte. „Das kann ich Dir erst sagen, wenn ich weiß, was wir noch zu Hause haben,“ sage ich zu ihm und denke: „Kommt mir das als Solo-Unternehmerin nicht bekannt vor?“
Diesen Gedanken nehme ich zum Anlass, einmal über das Gemeinsame zwischen einem guten Koch und einem Solo-Unternehmer laut nachzudenken, um einen Beitrag zu leisten, für Monika Birkner´s Blog-Parade „Mehr Wertschätzung für Solo-Unternehmer“, die sich meiner Meinung nach häufig eher mit Managern vergleichen, anstatt sich der Einzigartigkeit ihres Handeln bewusst zu werden.
Ich bin in einem Unternehmerhaushalt groß geworden und selbst seit 12 Jahren Solo-Unternehmerin. Nie habe ich meinen Vater das Wort „Management“ sagen hören, nie hat er ein Management-Buch gelesen oder gehandelt wie das moderne Management es vorsieht. Er war eben Unternehmer, wie sein Vater und dessen Vater und wie ich. Unternehmer ticken einfach anders und haben sicherlich mehr Gemeinsamkeiten mit einem Koch, als mit einem Manager. Kochen wir also ein schmackhaftes Wertschätzungs-Gericht für Solo-Unternehmer aus dem, was DA ist und traditionell beginnt mit einem: „Man nehme…“
1. Man nehme Persönlichkeit und Fähigkeiten oder:
Wer kocht ist ein Koch, weil er kocht und sich zutraut „Ich kann kochen.“
Derjenige, der in der Küche steht und in Töpfen rührt und mit Pfannen hantiert, derjenige der Lebensmittel veredelt, aus verschiedenen Zutaten schmackhafte Gerichte zaubert, ist der Koch, auch ohne „Koch-Diplom“. Warum? Eben weil er kocht und dafür seine Person, seine Lebenszeit und sein Können in den Dienst der Sache stellt, so gut er eben kann. Und jeder Koch weiß: Probieren geht über studieren. Und, ein Koch kocht nicht aus Selbstzweck, er kocht FÜR andere. Wen kenne ich, wer kennt mich und wem könnte schmecken, was und wie ich koche?
Genauso verhält es sich mit einem Solo-Unternehmer. Er ist ein Unternehmer, weil er etwas unternimmt, sprich sich etwas zutraut. Dazu stellt er sich mit seiner ganzen Persönlichkeit und mit all seinem Können in den Dienst der Sache. Das was ein Unternehmer bereits dabei hat, was ihn einzigartig aber nicht artig macht, ist sehr deutlich wertzuschätzen, denn das kann sich ein Unternehmer nicht theoretisch in „Kochkursen“ aneignen, das ist er, ganz und gar.
Fazit: Das größte Kapital des Solo-Unternehmers ist seine Persönlichkeit und das Vertrauen und Wissen um die eigenen Fähigkeiten und darum, mit wem er vernetzt ist.
2. Man nehme das was DA ist, oder:
Gekocht wird, was im Kühlschrank ist.
Hand aufs Herz: Ist es nicht einfach, aus einem Hochglanzkochbuch ein Rezept auszuwählen und sich, um dieses Wunschgericht auf den Tisch zu bekommen, das Ziel fest im Auge, einfach loszuziehen und koste es, was es wolle, dafür einzukaufen?
Doch die wahren Kochkünstler gehen anders vor:
Sie schauen in den Kühlschrank und in den Vorratsschrank und überlegen, was sie daraus schmackhaftes zaubern können. Sie denken sich Möglichkeiten aus, die sich erstens aus dem ergeben, was DA ist und gleichzeitig geeignet sind, Probleme zu lösen. „Was schmeckt meinen Gästen besser? Eine Suppe oder doch ein warmes Hauptgericht? Wie viel Zeit habe ich noch zur Verfügung, bis die Rasselbande kommt? Zeit für ein Schnellgericht, oder doch etwas Aufwändigeres? Habe ich Helfer, oder muss ich das Gericht in 30 Minuten alleine auf den Tisch bekommen?“
Und genau so verhält es sich mit Solo-Unternehmern. Sie entscheiden sich nach den vorhandenen Mitteln und machen das Beste daraus und freuen sich dann gemeinsam mit ihren Kunden darüber, was daraus entstanden ist.
Fazit: Solo-Unternehmen können stolz darauf sein, dass sie nicht primär ein einzelnes Ziel ins Zentrum rücken, sondern sich immer an den vorhandenen Mitteln orientieren um gleichzeitig Probleme lösen.
3. Man nehme das was DA ist und mache verschiedene Dinge daraus.
Wouh, unser guter Koch hat heute sehr viel Spargel geschenkt bekommen. Was macht er damit? Sagt er etwa: „Ich weiß nicht, was ich mit dem vielen Spargel anfangen soll, ich möchte lieber mehr Hummer auf meiner Karte,“ oder nimmt er den Spargel? Natürlich nimmt er ihn und macht daraus eine Sonderkarte: Stangenspargel, Spargelgratin, Spargelsuppe, Spargellasagne, lauwarmer Spargelsalat und friert den Rest ein.
Und genau so gehen erfolgreiche Unternehmer vor. Sie nehmen was da ist und verfolgen viele Ziele damit, bedienen verschiedene Kundenwünsche.
Fazit: Ist es nicht toll. Solo-Unternehmer sind imstande mit ihren Mitteln die da sind, ohne großen Mehraufwand, ganz verschiedene Ziele zu erreichen, gerade weil sie nicht von den Zielen her denken, sondern von den Mitteln her Entscheidungen treffen. Basis unternehmerischen Handelns ist die Mittelorientierung.
4. Man nehme das was man hinbekommt und hin bekommt an oder:
Nur wer nichts wagt macht keine Fehler und das ist meist der größte.
A propos Spargel. Zu gutem Spargel passt du ganz ausgezeichnet die Hollandaise. Nur ein Meister ist eben nicht vom Himmel gefallen, auch nicht am Kochtopf. Da heißt es üben, Erfahrungen sammeln, nochmal machen, etwas hinzubekommen oder eben nicht. Misserfolge gehören zum Lernen einfach dazu, denn aus ihnen können wichtige Schlüsse gezogen werden. Nur Übung macht den Meister und eine gute Hollandaisse klappt eben besser, wenn wir nach vielen missglückten Versuchen irgendwann routiniert eine hervorragende hinbekommen.
So ist es auch mit Solo-Unternehmern. Es gibt niemanden, dem immerzu alles gelingt und niemanden, der ohne Misserfolge durch Unternehmer-Leben kommt. Lernen wir daraus einen besonderen SelbstWERT zu schöpfen und denken, wenn mal etwas danebengeht, einfach an den guten Koch.
5. Man nehme und teile oder:
Viele Köche teilen sich die Arbeit oder machen Kunden noch satter.
Wer kennt ihn nicht: Den besten Kuchen der Oma. Er hat dieses Besondere, an den kein Kuchen heranreicht, auch wenn man dem Rezept exakt folgt. So macht es doch Sinn, dass zu einem großen Fest die besten Köche und Bäckerinnen, ihre besten Kreationen mitbringen um die Gäste zu beglücken.
So ähnlich gehen doch auch Solo-Unternehmer vor. Sie sagen nicht: „Ich kann alles selbst“, sondern holen sich Experten in die Küche und kreieren entweder ein größeres Buffet, oder backen und kochen neue, noch nie dagewesene Köstlichkeiten, einfach dadurch, dass sie ihre Kenntnisse zusammentun.
Fazit: Solo-Unternehmer haben zwar keine Angestellten, doch wenn Bedarf ist, finden sich im Netzwerk immer Experten, die entweder Lücken füllen, oder durch gemeinsame Kreationen, noch besser Kundenwünsche befriedigen können. In der Ungewissheit verbindliche Kooperationen eingehen, das ist eine ganz besondere Fähigkeit die Unternehmer zu Unternehmer macht.
6. Man nehme was es uns wert ist.
Was ist mir ein Lächeln meiner zufriedenen Gäste wert? Was bin ich bereit zu bezahlen, wenn ich für das heutige Essen doch noch einige Zutaten dazukaufen möchte? Was ist der maximale Verlust, den ich ertragen kann, wenn meine Gäste doch nicht so viel Spargel essen, wie ich für jeden kalkuliert habe?
So ähnlich denken und handeln auch Solo-Unternehmer. Sie kalkulieren nicht ihren maximal erreichbaren Gewinn, sondern überlegen sich, was sie bereit sind, zu investieren. So können sie sich stets an unsichere Bedingungen anpassen, bleiben flexibel und wendig.
Fazit: Erfolgreiche Solo-Unternehmer haben eine besondere, persönliche Einstellung zum Risiko und Ressourcen-Einsatz.
7. Man nehme die „Unsicherheit“ als sicher an oder:
Der gute Koch rechnet mit dem Unberechenbaren.
Waren Sie schon einmal an einem Bankett oder auf einer Gala-Veranstaltung und haben punktgenau ein Mehrgängmenü genießen können, warm, wohlschmeckend und zeitgleich für viele, viele Menschen? Nein, da wurde nicht gezaubert und auch nicht 150% geplant. In einer Küche wird ganz bewusst immer mit dem Unplanbaren gerechnet, weil man aus Erfahrung weiß: Trotz Planung kommt es anders als man denkt. Wie also funktioniert es trotzdem? Gute Köche beherrschen etwas ganz Besonderes.
Sie sind Meister im improvisieren. Fehlt etwas, wird es durch etwas anderes ersetzt; was nicht passt, wird passend gemacht und damit trotz Unsicherheiten und Unwegsamkeiten, trotz chronischem Zeitmangel trotzdem alles gut geht, gibt jeder sein Bestes im hier und jetzt. Jeder konzentriert sich auf seine Sache, behält im Augenwinkel aber die anderen im Blick, verzettelt sich nicht, sondern macht das zuerst, was zuerst gemacht werden muss, setzt Prioritäten, lässt sich nicht ablenken, horcht aber auf den Küchenchef, betreibt Schadensbegrenzung dort wo nötig, sprich bleibt gelassen bei der Sache und macht einen Schritt nach dem Nächsten. Was letztendlich serviert wird, ist das was serviert wird, nicht das, was auf einem Plan stand. Die Unsicherheiten und das Unberechenbare sind Teil des Ergebnisses und stets inbegriffen.
Das einzig sichere im Solo-Unternehmertum ist, dass es auch keine absolute Sicherheit gibt. Pläne sind folglich dazu da, wenn nötig davon abzuweichen, wenn möglich sich daran zu orientieren.
Fazit: Solo-Unternehmer dürfen mit Recht darauf stolz sein, dass sie in der Lage sind mit Unsicherheiten zu leben, denn sie wissen: Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, sie kommt ja erst noch und wenn sie da ist, ist sie keine Zukunft mehr.
Mit diesen 7. gängigen Wertschätzungs-Menüs für Solo-Unternehmer möchte ich schließen. Lassen Sie sich diese Speisen auf der Zunge zergehen und munden. Ich wünsche auf jeden Fall „Bonne appetit“.
Und sollten Sie sich als Solo-Unternehmer mal nicht sicher sein in der Unsicherheit, oder vergessen haben, dass Sie bereits ein guter Koch sind, dann begleite ich Sie gerne ein Stück.
Hier geht es zum Download – Von Mensch zu Mensch.
Ein ausführlicheres Webinar zum Thema finden Sie hier