Talk about…

Talk about…


Als ich unlängst in social media unterwegs war, traf ich auf folgenden Satz: „Great people talk about ideas und visions, average people talk about things and small people talk about other people.“

Dieser Satz hat mich nachdenklich gestimmt. Nicht nur, weil hier Menschen hierarisch dargestellt werden und Handlungen gewertet werden. Dieses menschliche Muster, sich zu vergleichen und zu werten halte ich schlichtweg für menschlich und damit für verständlich. Mensch kann nicht anders, als zu werten, auch wenn er es gar nicht möchte. Sei es drum. Etwas anderes stimmte mich nachdenklich.

Es sollen also diejenigen die Großen sein, die ÜBER Ideen und Visionen sprechen und immerhin noch Mittelmaß ist, wer ÜBER Dinge, über Tätigkeiten, Projekte und dergleichen spricht.

Fällt Ihnen auf? Meines Erachtens fehlt da etwas Entscheidendes. Meines Erachtens wird hier der wahre HELD dieses Vergleichs verschleiert.

1. Sage mir, was du leistest und ich sage dir, was du WERT bist?

Womit sich ein Mensch beschäftigt, wird ins Zentrum der Bewertungen gestellt. Die eine Beschäftigung bekommt eine gute Wertung, eine andere eine schlechte. Wohin sind wir gekommen, dass wir Menschen nach ihrer Tätigkeit auf- und abwerten? Wer hat irgendwann einmal entschieden, dass diese Haltung SINNstiftend und WERTvoll ist und wenn ja, wozu?
Ist der wahre Held des TALK tatsächlich das WORÜBER gesprochen wird? Die Idee, die Sache und darüber der Redner, der sich selbst mittels Sprache erhöht? Hat Kommunikation nur noch die Aufgabe, Transportvehikel für die Ware Wissen/Information und Leistung zu sein? Ist Sprache nur noch dazu da, uns permanent SELBST zu behaupten, in Szene zu setzen? Geht es bei menschlicher Kommunikation nur noch um das ICH? Sage mir worüber du redest und ich sage dir, was du wert bist?

Mir fällt dazu Max Weber und seine Arbeit zum Kapitalismus ein. Das Buch hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt – im Gegenteil. Es ist noch immer lesenswert.

2. Rede ÜBER etwas, dann bist du mehr wert, als jemand, der MIT Menschen spricht und FÜR Menschen DA ist?

In dieser gut gemeinten Aufzählung fehlt meines Erachtens etwas, etwas Entscheidendes. Haben wir Menschen nicht die Sprache, um uns MITeinander zu unterhalten, statt uns permanent ÜBER etwas zu unterhalten? Haben wir nicht die Kommunikation, um uns zu verständigen, uns gegenseitig und wechselseitig Hilfestellung zu geben, in die je andere Welt einzutauchen?

Könnte es sein, dass ein Mensch groß ist, der nicht nur über Ideen und Visionen spricht, sondern darüber hinaus in der Lage ist, MIT seinem Gesprächspartner in einen Dialog zu gehen, sich MIT ihm auszutauschen, zu verständigen, IHN zu gewinnen, sich MIT seiner sach- und fachbezogenen Expertise an der Realisierung seiner Ideen zu beteiligen?

Könnte es sein, dass der kleine Mensch, der momentan noch ÜBER andere Menschen spricht, sich selbst so klein fühlt, weil keiner MIT ihm spricht? Was braucht dieser Mensch? Er braucht schlichtweg einen Platz, eine Aufgabe, die ihn ausfüllt, Menschen die sehen und wertschätzen, was er leistet. Er braucht ab zu ein Dankeschön, eine Bitte, eine MITmenschliche Ansprache, ein DU bist mir wichtig, wenn ich mit dir rede.

Und was ist mit den ganzen Kindergärtnern, Hebammen, Krankenschwestern, Altenpflegern, Menschen in der Behindertenarbeit, im Sozialwesen, im Gesundheitswesen? Menschen, deren Aufgabe es ist, FÜR Menschen da zu sein und MIT ihnen zu arbeiten und zu sprechen? Wo sind sie in dieser Aufzählung von oben und unten, wert und unwert, groß und klein? Ist es nicht bezeichnend, dass genau diese Menschen im kapitalistischen Gewusel um Dinge und Ideen konsequent mal wieder „vergessen“ werden? Oder werden sie, je nach Schwerpunkt ebenfalls fragmentiert in solche, die Ideen haben, in solche, die sich Dingen widmen und solche, die ÜBER andere reden, anstatt zu arbeiten?

3. (M)eine kleine Bitte zum Talk

Wie wäre es also mit einem Talk to someone, statt diesem permanent, immanent gewaltigen und gewalttätigen „talk about irgendwas – und ich sage dir, wie wichtig du bist“ Ritus zu huldigen?

Ab hier würde es ketzt wohl eher philosophisch werden. Was ist Arbeit, worum geht es in der Sprache, was brauchen Menschen WIRKlich? Doch das sind andere Geschichten rund um Menschliches und Zwischenmenschliches und ich breche an dieser Stelle meine vielen Fragen einfach ab.

An dieser Stelle, genau in der Mitte dieses Jahres 2012 äußere ich einfach eine kleine Bitte: Sprechen Sie häufiger MITeinander, als das „ÜBER etwas oder jemanden zu sprechen“ ÜBERzubewerten.

Wir haben viel zu wenige dieser GREAT people. Helfen Sie mit, dass es mehr werden. Hier der Versuch, den Eingangssatz ein wenig zu präzisieren:

„Great people are those who have good ideas, speak about ideas, to people who know a lot about things, whether they would like to participate and help good ideas to become true. Great people tell these people, that without their expertise, this would never be possible. Great people help people, who speak about others to solve their real problems and help them to grow in self-esteem, by giving them tasks, where they find, what they are looking for, may be a job, that fits to their strength? A communicative job? Great people invite this people to take part in the realization of a wonderful idea? Great people talk to them, talk with each other.“

In diesem Sinne einen kommunikativen Tag und viel Freude dabei.