Die Würde des Menschen ist unantastbar

1. September 2018 | Keine Kommentare


Was hat Ernährung mit dem Grundgesetz und Menschenwürde zu tun? Das werden sich heute wohl einige Leser meines Blogs fragen.
Es hat mit zwei Beratungsgesprächen zu tun, die ich letzte Woche führte. Doch der Reihe nach.

 

Zunächst zum besagten Artikel 1 unseres Grundgesetzes:

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Was ist Menschenwürde?

So erklärt der Philosoph Immanuel Kant die Menschenwürde:
Dinge sind wertvoll, wenn wir sie brauchen können. Ein Schuh ist zum Beispiel wertvoll, wenn er passt und man mit ihm gut laufen kann.Wenn der Schuh kaputt ist und niemand mehr in ihm laufen kann, hat er keinen Wert mehr.
Bei Menschen ist das anders: Der Mensch hat immer einen Wert.
Auch wenn er krank ist. Auch wenn er nicht arbeiten kann.

Wenn etwas immer einen Wert hat, sagt man: Es hat eine Würde. Jeder Mensch ist deshalb wertvoll, weil er ein Mensch ist.

In Artikel 1 steht: Die Würde eines Menschen ist unantastbar. Das heißt: Die Würde darf auf keinen Fall verletzt werden. Alle Menschen sind gleich wertvoll.

Es ist egal,

  • welche Religion sie haben,
  • aus welchem Land sie kommen,
  • ob sie Frauen oder Männer sind oder
  • wie alt sie sind.

Das Leben und die Gesundheit aller Menschen sind wichtig. Die Menschenwürde ist die wichtigste Regel im deutschen Grundgesetz.Niemand darf die Würde eines Menschen verletzen.

Ein Leben ohne Menschenwürde ist ein Leben in Angst, Das heißt: Kein Mensch hat das Recht, einem anderen Menschen Gewalt anzutun.
Die Grundrechte sollen die Menschen vor dem Staat schützen.Deshalb müssen alle, die im Staat arbeiten, die Grundrechte beachten.

Nur: Ist das so? Halten sich auch Arbeitgeber an die Einhaltung dieser Grundrechte? Zweifel ist angebracht, denn das schildern meine Patienten.

Grundrechte am Arbeitsplatz eingehalten?

Die WÜRDE DES ALTERS.

Da ist z.B. der Mann, der sich demnächst einer bariatrischen OP unterziehen möchte. Er fährt in Schicht Waren aus. Das sagt sein Arbeitgeber: Er DARF während der Schicht keine Pausen machen, er DARF auch nicht im Auto essen. Ob das nun genauso der Fall ist, oder der Mann das so aus seiner Sicht wahrnimmt, ist gleichgültig, denn der Mensch hat ANGST! Er traut sich nicht gegen diese Vorgaben zu verstoßen, denn der Mann hat Angst – Angst seinen Arbeitsplatz zu verlieren und mit über 50 Jahren ohne Arbeit auf der Straße zu stehen. Er weiß, dass, wenn er mit der Bypass-OP seinen Lebensstil nicht ändert, wird er schwerste gesundheitliche Probleme bekommen, doch die Angst seinen Job zu verlieren ist größer.
Ist das noch vereinbar mit: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“?

Die WÜRDE DER HERKUNFT und der Gesundheit.

Da ist ein anderer Mann, er arbeitet in einer Zulieferfirma eines DAX-Konzerns. Er ist Albaner und arbeitet in Schicht. Er möchte abnehmen, arbeitet im 3-Schichtbetrieb. Für alle Schichten gilt Er DARF während der Schicht die Maschinen nicht verlassen. Der DARF nicht essen, nicht trinken, nicht auf die Toilette. Sein Vorarbeiter hat zu ihm gesagt: „Dann trink weniger, dass Du nicht auf´s Klo musst!“ Der Mann hat bereits Nierenprobleme und sein Gewicht bessert sich nicht, denn nach jeder Schicht bekommt er täglich regelrechte Heißhungerattacken, die seine Bemühungen wieder zunichte machen.
Ist das noch vereinbar mit: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“?

Die WÜRDE DER Gesundheit.

Ein anderer Mann, Führungskraft in einem großen Konzern schildert ähnliche Probleme. Laut Arbeitsvertrag steht im 40 Minuten Mittagspause zu. Doch der Gang zur Werkskantine dauert bereits 15 Minuten, das Anstehen in der Kantine verschlingt weitere 10 Minuten, der Weg zurück wieder 15 Minuten – sprich: Die gesamte zulässige Pausenzeit ist bereits aufgebraucht, noch OHNE auch nur 1 Minute Zeit für´s Essen genommen zu haben. Er hat Magenprobleme, leidet unter Stress und zu großer Arbeitslast (12 Std. sind normal). Er schlingt sein Essen runter, er kaut kaum, nimmt PPI´s; wenn er keine Zeit hat zur Kantine zu gehen, isst er gar nichts oder haut sich ein Leberkäsweggle rein, das er beim näher gelegenen Bäcker bekommt.
Ist das noch vereinbar mit: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“?

Ist die Würde des Menschen in manchen Firmen in Gefahr?

Kann es sein, dass der Gewinnmaximierung jegliche Menschenwürde untergeordnet wird? Kann es sein, dass in einigen Firmen regelrechte Ausbeutung von Humanressourcen stattfindet, weil man glaubt, dass Menschen Maschinen sind (nein, ich glaube sogar die Wartung, Pflege und Energieversorgung von Maschinen ist in vielen Firmen WICHTIGER, als die Wartung, Pflege, Energieversorgung – sprich die FÜRSORGEPFLICHT für Mitarbeiter).

Viele Firmen GLAUBEN, dass lange und häufige Pausen kontraproduktiv seien und die Effizienz und Effektivität schmälern würden, doch ich behaupte das Gegenteil und internationale Studien deuten in dieselbe Richtung:

1. Pausen fördern die Gesundheit

2. Pausen fördern die Beziehungen zwischen Kollegen und damit

3. eine gute Zusammenarbeit

4. Pausen sind regelrechte Kreativwerkstätten

5. in Pausen werden auch Gespräche über Projekte geführt und damit vorangetrieben

6. Pausen sind Energietankstellen. Die Effektivität nach Pausen ist sogar gesteigert, im Vergleich zu keinen Pausen.

 

Also was um Himmels Wissen bezwecken manche Firmen mit solchen Vorgaben?

Sollten auch Sie mit solchen Rahmenbedingungen zu tun haben, so lassen Sie es uns wissen.

Sollten Sie gesundheitliche Schwierigkeiten haben, Ihre Essensthemen unter solchen Rahmenbedingungen leiden, so lassen Sie uns sprechen! Wir finden (R)AUSwege für Sie!

Antworten

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